Der Ansitz

Seit Langem geplant und nun endlich geschafft...

 

Anfang August schafften unser Kumpel Marcel und ich es endlich, einen Ansitz über zwei Nächte zu planen und zu organisieren. Als Zielfisch war schnell klar, der Karpfen sollte es sein. Die Platzwahl, beziehungsweise die Wahl des Gewässers war da schon schwieriger.

Wo ist das Nachtangeln erlaubt? Wo darf man ein Zelt aufstellen? Wo lohnt es sich, so lange auszuharren? All diese Fragen galt es bestmöglich zu beantworten.

Kurz überlegten wir am Stoteler See anzusitzen und den Rüsslern dort nachzustellen. Doch für unser Vorhaben, zwei, eventuell sogar drei Nächte am Wasser zu verbringen, eignete sich ein anderes Gewässer besser. Die Mehe!

Dieses Gewässer ist uns Beiden in guten Erinnerungen, waren wir doch schon in Kindestagen dort mit der Rute unterwegs.

Diverse und meistens immer sehr erfolgreiche Ansitze auf Aal, einige schöne Brassenstrecken und schon die eine oder andere Kuriosität, wie z.B. einen 80er Rapfen auf toten Köderfisch, eine Regenbogenforelle auf Tauwurm beim Aalangeln oder eine ca 3Kg Schleie auf Mistwurm, ebenfalls beim Nachtangeln auf Aal durften wir an diesem tollen Gewässer bereits erleben.

Ein Karpfenansitz war bisher aber noch nicht dabei. Aber des öfteren konnte man am Wasser das Schmatzen der Rüssler vernehmen. Wir berieten uns und fällten unsere Entscheidung: Ansitz an der Mehe!

 

Die erforderlichen Scheine holten wir uns bereits Tage vorher, und fuhren anschließend ein paar Spots des Gewässers ab um die Beschaffenheiten und die Gewässerstrukturen herauszufinden, waren wir doch schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr an diesem Gewässer unterwegs.

Nach nur wenigen Fahrminuten erreichten wir die Stelle, die wir bereits im Vorfeld anhand unserer Erinnerungen als Platz für unseren Ansitz für möglich hielten, und fühlten uns in unserer Wahl bestätigt: Der Spot sollte es sein!

Nach kurzer Platzbegehung und Absprache der Futterstrategie machten wir uns auf den Heimweg. Wir konnten es kaum noch erwarten endlich loszulegen, doch eine Woche mussten wir uns noch gedulden.

 

Die Unruhe stetig wachsend, wurden die letzten Tage vorm Ansitz zur Geduldsprobe. Aufgrund kurzfristigen, zeitlichen Engpässen auf beiden Seiten, übernahm Joana glücklicherweise das Vorfütten und rettete uns im Nachhinein unsere Angeltage.

 

Nun war der Tag gekommen. Marcel holte mich ab, das Auto wurde beladen und los ging´s!

 

Am Wasser angekommen, schafften wir zügig unsere Sachen zum Spot und errichteten unser "Zeltdorf".

 

Im Anschluss wurden die Ruten beködert, pro Kopf drei Ruten, wobei eine davon auf Raubfisch ausgelegt werden durfte. Vorab legten wir noch eine ordentliche Ladung Futter nach, einen Mix aus gequollenen Partikeln, Pellets und Boilies, und brachten unsere Ruten aus. Zunächst versuchten wir unser Glück mit Boilies in verschiedenen Geschmacksrichtungen als Hakenköder, sowie eine Rute mit Halibuttpellet. Marcel fischte dazu noch die dritte Rute mit Wurm und ich versuchte mit der Matchrute ein paar Köderfische zu ergattern.

Diese hatte ich schnell zusammen und konnte meine dritte Rute mit einem fangfrischen toten Rotauge, fern ab des Futterplatzes auslegen.

Nachdem die Aufregung vergangen war, alle Ruten ausgelegt wurden und endlich Ruhe einkehrte, begann die Spannung. Konnten wir doch bereits kurz nach Beginn der Angelei einige große Fische an unserem Futter- und Angelplatz ausmachen. Jeder Zeit konnte einer der Bissanzeiger wie gewünscht aufheulen.

 

So dauerte es auch nicht allzu lange und der erste schrille Ton zerschnitt die Ruhe. Meine Rute mit Halibutpellet war diejenige, welche die Ruhe störte und einen ordentlichen Run verzeichnen konnte. Ich rannte hinunter, schlug an, der Fisch saß. Schnell wurde klar, dass sich ein Brassen den Pellet einverleibt hatte. An meiner kräftigen Karpfenrute hatte ich wenig Mühe, meinen schuppigen Gegenüber kontrolliert in die Maschen des Keschers zu manövrieren. Zwar keiner der erhofften Karpfen, dennoch ein gelungener Auftakt.

 

Und auch bei Marcel dauerte es nicht lange, bis der erste Fisch einen seiner angeboten Chayenne Robin Red Boiles zum Fressen gern hatte. Nach schönem Run und lautem Signal des Anzeigers wurde nach dem Anhieb auch hier schnell klar, wer sich da am Köder vergangen hatte... Der nächste schöne Brassen landete sicher und gekonnt im Kescher.

 

Danach kehrte aber Ruhe ein. Und obwohl immernoch einige schöne Fische am Platz waren, konnte über Stunden keiner mehr überlistet werden.

So wich dann langsam das Tageslicht und die Nacht kehrte ein. Nochmal voller Spannung harrten wir auf unseren Stühlen unter´m Schirm und hofften auf eine gebetene Störung der Ruhe, in Form eines schreienden Bissanzeigers. Doch leider blieb dies aus. Und so beschlossen wir unsere schweren Augen auszuruhen und ein wenig zu schlafen.

 

Wobei "ein wenig" der treffende Wortlaut war. Eingepackt in unsere Schlafsäcke, so vor uns hinträumend, riss uns ein schriller Schrei aus dem Schlaf. Zeitgleich rissen wir unsere Zelte auf und stürmten heraus... Es war Marcels Rute, mit Chayenne Robin Red Boilie beködert. Schnell setzte er den Anhieb, und uns wurde klar: Zielfisch.

Der Drill war gewaltig und der Fisch zeigte was er konnte. Marcel baute langsam druck auf, pumpte... der Fisch setzte zur Flucht an und nahm einige Meter Schnur von der Rolle. Dann Stillstand...

Die Rute noch krumm, aber keine Bewegegung. Was war passier? Ratlosigkeit machte sich breit. Ich leuchtete mit meiner Taschenlampe das Gewässer ab und konnte seine Schnur am gegenüberliegenden Ufer ausmachen, durch eine extrem große Ansammlung von Wasserpflanzen gezogen. Was nun?

Zuerst warteten wir, frei nach dem Gedanken: eventuell befreit sich der Fisch selbst aus dem Hindernis.

Nichts passierte. Vom Fisch auch nichts mehr zu spüren.

Dann baute Marcel stetig mehr Druck auf, bis es auf einmal laut knallte und die Schnur riss. Sch.....ade!

Das war echt ein guter Fisch.

Nach kurzer Fassungslosigkeit montierten wir seine Rute neu, kontrollierten den Rest und legten uns wieder hin.

 

 

 

Am nächsten Morgen, mit aufgehender Sonne, saßen wir wieder bereit in unseren Angelstühlen und erhofften uns viel für die ersten Stunden des Tages.

So kontrollierten wir die Ruten und beköderten teilweise neu.

Der verlorene Fisch in der Nacht nagte immer noch an uns und so setzten wir alles auf eine Karte. 

Marcel holte seine Wurmrute rein und ich meine Raubfischrute. Dafür brachten wir jeweils eine zusätzliche Rute, mit Boilie und Pellet beködert, auf Karpfen aus.

Im Anschluss legten wir noch etwas Partikel und Pellets zum Anfütten nach und bereiteten uns dann erstmal ein ordentliches Frühstück.

 

Wir waren gerade am Aufräumen, da meldete sich Marcels Bissanzeiger zu Wort. Geil, Action!

Wir rannten zur Rute, Marcel schlug an und der Fisch saß. Gleich war klar, ein Karpfen ist das nicht. Eventuell ein Brassen? Nein!

Nach kurzem aber ambitionierten Kampf, blitzte das Schuppenkleid einer der schönsten Fischarten unserer heimischen Gewässer hervor. Eine Schleie, hatte sich den Boilie von Marcel schmecken lassen und konnte von ihm sicher in den Kescher befördert werden.

Guter Auftakt. So konnte es weitergehen, dachten wir uns.

 

Doch leider passierte nichts mehr. Stunde um Stunde verging. Die Fische waren am Platz auszumachen, aber beißen wollten sie nicht. Hin und wieder piepste mal ein Bissanzieger, aber ein wirklicher Biss sprang nicht dabei heraus. So nutzten wir die Gunst der Stunde und legten uns zum Nachmittag nochmal aufs Ohr, um Kraft und Ausdauer für die Abendstunden zu tanken.

 

Am frühen Abend bekamen wir dann Besuch. Jirko kam mit einem Freund vorbei und wollte sich das Geschehen mal vor Ort begutachten. Wir berichteten über den bisherigen Verlauf des Ansitzes und über die andauernde Flaute. Kaum ausgesprochen, heulte einer meiner Bissanzieger auf. Endlich.

Ich schnappte mir meine Rute und setzte den Anhieb. Zwar merkte ich den Fisch, doch wirklich kämpfen wollte dieser nicht. So kamen wir schnell zum Schluss, dass es sich hierbei um einen Brassen handeln müsste. Und wir behielten Recht. Zwar kein Karpfen, aber immerhin kam wieder ein bisschen Leben in die Geschichte.

 

 

Im Anschluss daran machten sich Jirko und sein Bakannter auf den Weg. Wir waren zu dem Zeitpunkt durch den Brassen wieder angefixt und hofften jetzt auf mehr Fischkontakte.

 Zwar meldeten sich dann ab und an unsere Bissanzeiger mit vereinzelten Tönen, doch richtig beißen wollten die Fische leider nicht mehr.

Mit einkehrender Dunkelheit und schwindener Motivation beschlossen wir nochmals Futter nachzulegen, um eventuell doch einen Karpfen erwischen zu können. Aufgrund des verlorenen Fisches in der Vornacht beschlossen wir außerdem, diesmal die Nacht durchzuhalten, um für den Fall der Fälle sofort bei der Rute zu sein.

Aber leider tat sich in dieser Nacht überhaupt nichts.

 

Die Sonne meldete sich langsam am Horizont, die Vögel zwischerten und der Graureif lag über dem Wasser... Ein malerischer Morgen, doch der Tat uns in dem Moment nicht an.

Müde und entkräftet beschlossen wir, das Gröbste zusammenzupacken, ein paar Stunden zu schlafen und danach den Ansitz zu beenden. 

Gesagt, getan. Eingepackt im Schlafsack döste ich so vor mich hin. Träume stellten sich ein und der Schlaf war nicht mehr weit enfernt.

 

Dann schrie ein Bissanzeiger auf... Aber nur kurz.

Aufgeschreckt lauerte ich im Zelt. Auch Marcel war alamiert. Ich wollte grad das Zelt öffnen, da rannte der Fisch los. Erbarmungslos heulte der Anzeiger auf. Wir beide rannten aus den Zelten, nichtsahnend welche Rute betroffen ist. Es blieb keine Zeit sich Stiefel anzuziehen. Auf Socken standen wir da, im feuchten hohen Gras.

Ein Blick in die Runde... es war meine! 

Schnell eilte ich hinunter, griff zur Rute und schlug an. Ein heftiger Wiederstand war zu spüren, die Rute war krumm gebogen und die Bremse am kreischen. Wir realisierten schnell, dass ist der Fisch, den wir haben wollten. Der Drill entpuppte sich als herausfordernd, da der Fisch schnell stromab durch ein großes Seerosenfeld geschwommen ist. 

Kurz konnte ich ihm zeigen, wo es lang gehen sollte, doch dann setzte er zu einer energischen Flucht an. Und setzte sich fest... Entgeistert starrten wir uns an, NICHT SCHON WIEDER!?

Ich hielt die Spannung, der Fisch war noch zu spüren... Und plötzlich ging ein Ruck durch die Rute und der Fisch schwomm frei, an meine Leine durch das Gewässer. Erleichterung machte sich breit und nach einem kurzen aber heftigen fight konnten wir einen wunderschönen Schuppenkarpfen an Land befördern. Man, war das geil!

 

Zwar hatten wir die anderen Ruten noch im Wasser, aber uns war klar, dass an der Stelle so schnell kein Fisch mehr beißen wird. So beendeten wir unseren Ansitz erfolgreich, mit einigen ordentlichen Brassen, einer wunderschönen Schleie und einem geilen Schuppenkarpfen zum Abschluss. War super, machen wir wieder :-)

 

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